Analphabetismus raus aus der Tabuzone

„Stellen Sie sich vor, Sie abonnieren eine Tageszeitung, obwohl Sie nicht lesen können, nur damit die Nachbarn nichts bemerken. Mit solchen Strategien versuchen Analphabeten, ihre vermeintliche ‚Schande‘ zu verstecken“, sagte Kirsten Lühmann, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Celle/Uelzen anlässlich des Weltalphabetisierungstages am 8. September.

Ca. 7,5% der Menschen in unserem Land können nicht richtig lesen und schreiben. Der Anteil entspricht knapp 7.000 im Kreis Uelzen. Dazu gehören auch die so genannten funktionalen Analphabeten, die zwar einzelne Wörter oder Sätze lesen können, aber keine ganzen Texte verstehen.

Viele Betroffene schämten sich für dieses Manko. „Wir müssen das Thema aus der Tabuzone holen, um die Leute zu erreichen“, so Lühmann. „Es ist nie zu spät, schreiben und lesen zu lernen. Das sind grundlegende Voraussetzungen für Bildung und Berufstätigkeit. Deshalb wollen wir die Betroffenen gezielt ansprechen und fördern.“

Die SPD-Bundestagsfraktion will, dass Bund, Ländern und Kommunen einen Grundbildungspakt schließen, für den jährlich 50 Millionen Euro bereit gestellt werden. Ziel ist es, die Anzahl der Analphabeten zu halbieren. Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften, Sozialverbände, Kirchen wie auch die Medien sollen daran beteiligt werden.